Flirtthread für AKWs

  • Ja, ich dachte mir, wie der Name schon sagt, wir verlagern die Atomwerkdiskussion mal in einen eigenen Thread. Es gibt ja momentan in Japan einen riesenhaften Aufruhr um 3 AKWs da, wo aufgrund des Ausfalls der Kühlungssysteme eine Kernschmelze eintritt - d.h. früher oder später macht es Puff.
    Hier ist eure grundsätzliche Meinung über Atomkraft und eure Einstellung gegenüber der Politik unserer und anderer - z.B. der japanischen - Regierung gefragt.
    Meine persönliche Meinung :
    Atomkraft : ja, aber nur als Brückentechnologie, max. Dauer : 30 Jahre
    Politik der Regierungen : Unsere Regierung : kaka, was bringt es, für 3 Monate die Atomkraft auszusetzen ? Japanische Regierung : sehr, sehr kaka, weil die, um ihre Glaiubwürdigkeit zu behalten, die Sache mit der Kernschmelze immer weiter hinausgezögert und alles beschönigt haben - selbst Schuld kann man da nur sagen !

  • Atomkraft: Ja gerne, aber ist nunmal mit Risiko verbunden, wie so vieles.
    Opposition: Mäh, die haben doch alle was am Helm...
    Regierung: Die wollen jetzt 3 Monate ohne atomkraft machen und die auf dem Ausland importieren? Famose Idee...........nicht.
    Japaner: Das ist der Zwiespalt zwischen Volksberuhigung und mangelndem Rasurücken... ich will da nicht urteilen, ist ja auch son bissl verständlich, dass die nicht rausrücken mit der Sprache.


    Und wenn wir dann mal alle strahlen vor Freude, dann... lassen wir das, das Niveau sinkt wie ein Stein im Wasser xD

    Zitat von Das Lied von Eis und Feuer: Die Saat des goldenen Löwen, S. 103

    Die Macht ist stark in dir.

  • In Deutschland kenne ich mich natürlich nicht so genau aus, ich kann nur für Italien sprechen. Und da hat die Regierung auch den famosen Plan gefasst, wieder in die Atomtechnologie einzusteigen. Einen größeren Blödsinn hätten sie sich gar nicht einfallen lassen können. Atomkraft ist keine dauerhafte Lösung des Energieproblems. Dazu ist sie einfach zu unsicher. Wo noch AKWs stehen, können sie ruhig noch ein paar Jahre weiterlaufen, solange sie zu 99%iger Wahrscheinlichkeit sicher sind (100% sind nie möglich). Aber ein neuer Einstieg ist einfach schwachsinnig. Die Dinger müssen nämlich schon Mal ein paar Jahre laufen, damit sie ihre Kosten wieder hereinbringen. Und in Italien ist das zu unsicher. Da musste man nur sehen, wie es in den Abbruzzen 2009 nach einem Erdbeben der Stärke 5,3 aussah. Da ist alles eingestürzt, weil die Mafia beim Bau Geldmittel unterschlagen hatte.


    Mein Fazit: Atomkraft kann als Brückentechnologie noch ein paar Jahre laufen, jedoch sollte sie nicht weiter ausgebaut werden, da sie zu gefährlich sind. Stattdessen sollte ein wenig mehr Geld in die Forschung gesteckt werden. Beispielsweise in die Kernfusionsforschung. Die wäre wesentlich sicherer und würde ohne radioaktive Brennstoffe und Abfälle auskommen.

  • Japan hat seit dem WK2 keine eigenen Ressourcen mehr. Auf vorgelagerten Inseln gab es Reiche Gold und Kohle vorkommen, diese haben die jedoch verloren oder sie sind erschöpft, ich wüsste echt gern, wie Japan ohne Atomenergie oder ohne nochmals China/Korea zu überfallen überleben sollte :P
    Entweder sie betreiben Atomkraft, oder sie holen sich irgendwo Rohstoffe her...


    Zu Deutschland:
    Es ist eine schamlose Manipulation und Zeit wie skrupellos und Rückgrat-los Atomkraftgegner, allen voran Greenpeace ist, die Folgen einer Naturkatastrophe für ihren Kreuzzug gegen Atomenergie zu nutzen.
    JEDER Reaktor wäre hochgegangen, wenn er einer derartigen Belastung, also einem Erdbeben und einem Tsunami (lol, FF-Rechtschreibprüfung wollte daraus Tiramisu machen xD) hätte standhalten müssen.
    Windräder wären umgekippt, Solarplatten geborsten, Photovoltaikplatten ebenfalls, Dämme von Wasserkraftwerken gebrochen, Borlöcher von Erdwärmekraftwerken verstopft, usw....
    Atomkraft jetzt abzuschalten ist ein Rückfall zur Kohle und Gas.

  • Naja, aber wenn eine Solarplatte kaputtgeht, ist doch wohl nicht das ganze Land im 20km Umkreis mind. tödlich verseucht, oder ?
    Und wir sind weit fortschrittlicher als Kohle und Gas. Selbst wenn wir die AKWs abschalten würden, könnten wir von der Wind, Sonnen und Wasserenergie leben - wir müssten nur sparsamer sein. Und da kommt das Wort Bequemlichkeit ins Spiel: Warum denn sich in seinem Leben einschränken, wo man mit Atomenergie doch so schnell so viel und so billig Strom erzeugen kann? Ja, liebe Leute, das mag ja sein, bloß will ich kein Land verseucht wissen müssen, weil Kleinhans sein Toastbrot gerne etwas krosser haben möchte.
    Klar, auch alternative Energien haben nicht zu verachtende, gravierende Nachteile, doch ihr entscheidenster Vorteil ist der, dass sie keine Menschen umbringen - und das ist mehr wert als aller Strom der Erde ( Kitschige Schlusssätze FTW! ^^ )

  • Der Witz ist hier doch, das wenn wir die AKW's abstellen die benötigte Energie von Frankreich einkaufen. Jetzt erratet mal woher diese zum größten Teil ihre Energie beziehen? :)
    Das ist alles eine Milchmädchenrechnung..


    Vor allem regt mich jetzt dieses ganze rumgesafte der Grünen und all derer auf die dieses Leiden ausnutzen zu ihrem Vorteil.
    Wenn die ohne Atomenergie leben wollen, dann bitte sollen sie. Kappt euch vom Stromnetz und lebt wie Ökos, kauft euch Pfanni Frisch und tretet in die Pedalen... :-|

  • DaO hat recht.
    Frankreich zieht viel aus Atomkraft.
    Am Ende sind wir die Verlierer und geht bei denen was hoch,triffts uns genauso.


    Und tolle Rechnung Asha, aber schau dir die Vorfälle an,da muss nicht zwingend alles verseucht werden.


    Wofür man aber stimmen könnte,wäre deutsche Kraftwerke aufzurüsten.
    Denn würden die nach aktuellem Stand der Technik bewertet werden, dann wäre für alle 17 Schicht.


    Zitat

    Es ist eine schamlose Manipulation und Zeit wie skrupellos und Rückgrat-los Atomkraftgegner, allen voran Greenpeace ist, die Folgen einer Naturkatastrophe für ihren Kreuzzug gegen Atomenergie zu nutzen.


    Sehe ich genauso.


    Zum Kotzen das die Regierung einlenkt , um die Wahlen nicht zu gefährden...sowas beschissenes...


    wenn ich lese was ein trittin von sich gibt,frage ich mich in was fürn Land ich hier lebe...
    nur noch bekloppte, die da draußen rumlaufen ,geblendet von sich selbst -.-


    Und ich würd nicht den Japaner Schuld zuweisen, sondern dem Betreiber.
    Der hats verbockt.
    Ist doch logisch, dass man 120 Millionen Menschen nur ungern in Massenpanik versetzt.


    Und zu regenerativen Energien:
    Solange kapitalistische Interessen eine Rolle spielen, wird das noch lange dauern bis man das System ändert und das ganze wirtschaftlich wird.
    Das geht nunmal nicht von heute auf morgen.



    http://www.enprimus.de/typo3temp/pics/798e98c1e0.png


    So damit sich mal jeder unsicher fühlt. -.-

    Sing to me songs of the darkness


    Farewell to heaven, my friend


    Come to me, bury your sorrow


    Temptation awaits the condemned

    Einmal editiert, zuletzt von Redwing ()

  • Dazu muss ich auch mal was sagen. Ich bin kein richtiger Atomkraftgegner, sehe aber ein sehr großes Gefahrenpotenzial darin, und es scheint so zu sein, dass die Atomkraft zur Zeit den Ausbau der regenerativen Energien behindert.

    Zitat von Quappe

    Es ist eine schamlose Manipulation und Zeit wie skrupellos und Rückgrat-los Atomkraftgegner, allen voran Greenpeace ist, die Folgen einer Naturkatastrophe für ihren Kreuzzug gegen Atomenergie zu nutzen.
    JEDER Reaktor wäre hochgegangen, wenn er einer derartigen Belastung, also einem Erdbeben und einem Tsunami (lol, FF-Rechtschreibprüfung wollte daraus Tiramisu machen xD) hätte standhalten müssen.


    Diese Argumentation macht so keinen Sinn. Natürlich wäre jeder Reaktor hochgegangen, es sind auch, glaube ich, sogar einige andere Kraftwerke in die Luft gegangen. Aber darum geht es doch garnicht, die Atomenergie hat ein viel größeres Gefahrenpotenzial, wenn der Reaktor hochgeht, ist das viel gefährlicher, als wenn irgendetwas anderes hochgeht. Das ist doch gerade die Argumentation der Atomkraftgegner, da ist es doch scheißegal, ob jeder Reaktor oder nur ein Kernkraftwerk hochgegangen wäre.
    Deshalb ist es sehr wohl verständlich, dass jetzt wieder gegen Atomenergie mobil gemacht wird. Ich finde es auch nicht skrupellos, darüber gerade jetzt zu reden, natürlich wird dir eher jemand zuhören, wenn es gerade Probleme damit gibt, als wenn alles in Ordnung ist, aber es später irgendwann Probleme geben könnte.

  • eigentlich ist es sogar um so schlimmer dass jeder andere hochgegangen wäre!
    es ist ja nicht die frage ob die technik selbst sicher ist, sondern was passiert (oder passieren kann) wenn dann doch etwas schief geht. abgesehen davon natürlich noch der atommüll, der auch noch unglaubliche kosten und verschmutzung verursacht...
    alles in allem ist atomkraft natürlich nicht leichtfertig zu benutzen und man sollte wirklich auf alternativen umsteigen. nur geht das nicht von heut auf morgen, da die atomkraft nunmal einen großteil der energie ausmacht. jedoch wird es nie perfekte systeme und sicherheiten geben und wenn man nicht langfristig umplant, dann werden sich atmokatastrophen immer wieder ereignen... mit unterschiedlich großen auswirkungen und zeitabständen.



    es ist natürlich immer zu sehen, wie gefährdet die einzelnen standorte sind und ich find es schon gefährlich, wenn atomkraftwerke in besonders risikoreichen gebieten wie japan stehen. bei deutschland hab ich da (bisher) aber weniger bedenken, da reicht die langfristige umstellung.

  • schön, wenn man da nach dem motto gehen könnte, "jeder ist sein egener herr".


    wenn sich die länder selbst versorgen würden, dann bräucht man auch keinen wettstreit mit preiskonkurrenz etc. machen.
    aber wem sag ich das, in china und russland kommt der post eh nicht an :/

  • Also manche Ansicht find ich schon sehr befremdlich. Wer kein Atomstrom will ist also ein Öko? Cool, so hab ich mich noch nicht gesehen, weil ich weder Pfanni esse noch in die Pedale trete, aber trotzdem nicht für Atomstrom bin.


    Vor allem frag ich mich, warum jetzt manche auf Umweltverbänden und Opposition rumhacken? Die Anti-Atom-Bewegung existiert seit den späten 70ern, die wiederaufflammenden verschärften Diskussion entstanden durch das Aussetzen des Atomausstiegs und die Laufzeitverlängerung unserer ältesten AKWs. Und all das lag vor dem Unglück in Japan. Am besten hätte man noch die seit Monaten geplante Menschenkette am Samstag absagen sollen, damit sich das japanische Volk in seiner Not nicht für Wahlkampfzwecke ausgenutzt fühlt! Also bei solchen Gedankengängen und Argumenten kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln.


    Vor allem frag ich mich inwiefern die Japaner oder ihr Leid ausgenutzt werden? Der Schaden in Japan, diese schreckliche Katastrophe, verschlimmert sich meiner Meinung nach nicht dadurch, dass die Atom-Diskussion hier weitergeführt wird. Ist ja nicht so, dass diese Debatte erst seit Freitag stattfindet.


    Ob man es allerdings bei jedem Interview zum Thema Japan anführen muss, ist zwar sehr fragwürdig, nicht aber verwerflich. Allerdings hab ich da den Journalisten gegenüber wesentlich mehr Wut im Bauch! Die halten ja nicht von ungefähr diesen Leuten das Mikro unter die Nase. Dass ihre Fragen unmittelbar vor den Statements der Interviewten in den Beiträgen nicht mit ausgestrahlt werden, ist ebenfalls höchst fragwürdig.


    Natürlich ist ein sofortiger Ausstieg völlig unrealistisch, aber warum jetzt auf einmal der Rückzug von der Laufzeitverlängerung beschissen sein soll kann ich nicht verstehen. Wir reden hier davon, dass AKWs, die mit 30-40 Jahre alter Technologie und z.T. ohne jedwede Nachrüstung, weil nicht machbar, noch einige Jahre hätten weiterlaufen sollen. Die meisten Atom-Experten sind sich darüber einig, dass ca. 30 Jahre Laufzeit eine Obergrenze sein sollten, einfach weil die Erfahrungswerte fehlen und es bei Atomkraft wenig Sinn macht Erfahrung durch Experimente à la mal-sehen-wie lange-es-läuft zu sammeln. Jetzt kann man natürlich die aus Sicherheitsgründen abgeschalteten AKWs auch nicht mal eben abreissen, sondern die müssen so lange stehen bleiben, bis sie nicht mehr strahlen. Das dürfte irgendwann kurz vorm Sankt-Nimmerleins-Tag der Fall sein. Zudem sollte ja, wenn man am Atomstrom festhalten will, auch für Ersatz in Form von neuen AKWs gesorgt werden. Der Zeitpunkt, wann der Platz für neue AKWs ausgeht, dürfte auf jeden davor liegen.


    Es geht hier um eine Technologie, die noch in großen Teilen unerforscht ist, was Reaktionen, Beherrschbarkeit und Nutzung angeht! Das gibt jeder, der in dem Bereich arbeitet zu. Wir haben es mit dynamischen Prozessen zu tun, für die oft genug keine Theorie-Modelle mehr existieren. Der Wissenstand heute ist das, was man glaubt zu beherrschen, bzw. meint im Falle eines Unfalls in den Griff kriegen zu können. Wie wackelig das ist zeigt die Katastrophe in Japan. Da ist etwas eingetreten, dass keiner auf dem Plan hatte. Dummerweise ist der Preis dafür unbezahlbar!


    Man sollte sich einfach mal vor Augen führen, dass ein Fehler in dem Bereich derart weitreichende Konsequenzen haben kann, wie bei sonst keiner anderen Energiegewinnungs-Technologie! Da kann man nicht einfach sagen "Das bauen wir mal eben Ruckzuck wieder auf!". Wer sich mit den Spätfolgen im Bereich von Tschernobyl beschäftigt, weiß was für Tragödien da heute nach fast 25 Jahren noch täglich stattfinden.


    Und es beruhigt mich natürlich ungemein zu wissen, dass jeder Reaktor auf der Welt nach dieser Katastrophe hochgegangen wäre. Wie kann man so argumentieren? Atomkraft wäre immer noch sicher, hätte es nicht dieses doofe Erdbeben und den blöden Tsunami gegeben!? Wer so denkt glaubt auch daran, dass unsere AKWs völlig sicher sind.


    Gerade wenn ich mit einer Technologie arbeite, die im Falle eines Unfalls eine Unzahl an Menschen schädigt, große Landstriche auf Jahrhunderte unbewohnbar macht, Trinkwasser und Nahrung auf unbestimmte Zeit verseuchen kann und gegen die es kein Rettungsmaßnahmen in schlimmeren Fällen gibt, sollte ich doch eigentlich 100%ige Sicherheit gewährleisten müssen. Dass es die nicht gibt, ist klar! Nun bleibt also die Frage, in wie fern mögliche Risiken beherrschbar sind, bzw. wie viele der möglichen Risiken ausreichend beherrschbar sind. Nach dem Vorfall in Japan, einem hochtechnologisierten Land, dass jahrzehntelange Erfahrung mit Atomkraft hat, würde ich sagen, zu wenige!


    Ende Teil 1

    "Wenn man sagt "Früher war ALLES besser!", dann stimmt das so nicht...ABER...früher war EINIGES besser und das wäre es auch heute noch, wenn man es nicht verpfuscht hätte!" (J. Malmsheimer)

  • Teil 2


    Betrachtet man mal die potenziellen Gefahren, die zu einem Störfall führen können bei uns, so sind wird doch in einer ähnlichen Situation wie Japan, vor dem Beben/Tsunami. Unsere Notfallpläne sind für gerade noch vorstellbare Szenarien ausgearbeitet, bzw. sollten es eigentlich sein. Dennoch haben wir AKWs in Küstennähe (Sturmflut), in Erdbebengebieten (Rheingraben) und in Überschwemmungsregionen (Rhein/Main). Jetzt kann man natürlich sagen, bei uns wird es nie eine so schlimme Sturmflut/ein so heftiges Beben/ein so gewaltiges Hochwasser geben, dass etwas passieren kann. Das wage ich zu bezweifeln, denn in diesen Fällen reden wir von einer Komponente, die sich nicht vorausberechnen läßt, nämlich der Natur.


    Das wird jetzt einigen wieder ein müdes Lächeln entlocken, denn endgültige Sicherheit gibt es nicht! Stimmt! Aber die Frage ist doch, ob ein Fehler oder das Eintreten eines vernachlässigbar kleinen Risikos die Folgen wert ist?


    Man muss aber gar nicht auf aberwitzige Naturkatastrophen, welcher Art auch immer, verweisen, denn es genügt der Faktor Mensch und die Technik die er beherrschen soll. So ziemlich jeder Experte im Bereich Atomkraft rät beispielsweise davon ab, auf Computersteuerung und -überwachung zu bauen, einfach weil die Fehlerquellen damit potenziert und vor allem schwerer zu finden, bzw. in den Griff zu kriegen sind. Von externer Manipulation, Fehleichungen und Schnittstellenfehlern mal ganz zu schweigen. Also braucht es "normale" Technik. Die allerdings muss aus dem FF beherrscht und kontrolliert werden, und zu jedem Zeitpunkt perfekt funktionieren. Wäre vielleicht noch einigermaßen machbar, wenn nicht auch hier externe Faktoren (Stromnetz in Europa) noch eine wichtige Rolle spielen würden, d.h. wir sind in bestimmten Sicherheitsfragen auch noch von Dingen abhängig, die wir selbst nicht beeinflussen oder kontrollieren können.


    Wichtig zu erwähnen ist auch, dass AKWs nicht mal so eben nachrüstbar sind. Gerade für ältere AKWs gibt es bestimmte Ersatzteile nicht mehr, d.h. hier muss andere Technik/Technologie mit der bereits vorhandenen kombiniert werden und mit jeder Kombination unterschiedlicher Komponenten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mal etwas in einer bestimmten Situation nicht funktioniert, denn es bestehen keinerlei Erfahrungswerte. Und sich hier auf theoretische Berechnungen zu verlassen ist riskant. Andere Dinge können gleich gar nicht nachgebessert, optimiert oder umgebaut werden, einfach weil es die Konstruktionen nicht zulassen.


    In all dem steckt nun auch noch der Mensch, der das Ganze in Perfektion beherrschen soll. Es nützt aber die beste Technik und die effizientesten Sicherheitssysteme nichts, wenn der Mensch Mist baut. Das sieht man bei z.B. Zug-, Schiffs- und Flugzeugunglücken nur zu deutlich, allerdings mit der Ausnahme, dass das Unglück hier örtlich sehr begrenzt ist, sich innerhalb von wenigen Stunden abspielt und keinen nennewerten Einfluss auf die Zukunft vor Ort hat. In der Atomkraft reden wir von grenzenlosen und unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt auf unbestimmte Zeit. Man sollte sich klar machen, dass ein Flugzeugabsturz auf ein AKW der statistischen Theorie nach vermutlich nur all 10.000 Jahre einmal vorkommen kann, aber menschliches Versagen täglich stattfindet!


    Wer allen Ernstes glaubt in AKWs wird nicht gepfuscht ist mehr als naiv. Keine Küche der Welt ist zu 100% sauber, kein OP zu 100% steril und in keinem AKW der Welt wird zu 100% Sorgfalt walten gelassen. Wo also liegt der Unterschied? In den Auswirkungen, wenn etwas schief geht!


    Allein schon die Tatsache, dass es im Falle eines Falles keinen wirksamen Schutz gibt und das in einem u.U. flächenmäßig enorm großen Bereich, sollte zu denken geben. Was nutzen mir die besten Strahlen-Detektoren, wenn ich mich vor der Strahlung selbst nicht schützen kann? OK, zynisch betrachtet, weiß ich wenigstens was mich umbringen wird, aber das kann es nicht sein. Auch kann nicht mal eben jede Strahlung, bzw. jedes Isotop per Gegierzähler gemessen werden. Strontium 90 z.B. wird nicht angezeigt!


    Bei allem Für und Wider gibt es ja noch einen nicht unwichtigen Punkt! Wohin mit dem Abfall? Und Abfall sind ja nicht nur die alten Brennstäbe, sondern auch sämtliche kontaminierten Produkte, Flüssigkeiten und Bauteile aus AKWs oder der Brennstäbe-Herstellung/Aufbereitung. Wo soll das alles sicher gelagert werden? Auch hier bestehen im Endeffekt nur theoretische Modelle, weil es keinerlei Erfahrungwerte gibt, was die sichere Langzeiteinlagerung von diesen Stoffen angeht! Die einzige, die wir in D haben wird mehr und mehr zu einem nicht mehr beherrschbaren Problem, denn in der Asse hat man sich gründlichst verrechnet, bzw. haben sich Atommüll und Umgebung anders, als vorherberechnet verhalten. Zu dumm, dass so etwas nicht mal eben mit aufwischen, auskehren oder abspülen zu korrigieren ist! Wenn wir nicht mal in der Lage sind Sorge dafür zu tragen, dass der Müll sicher verwahrt wird (eigentlich DIE Grundvoraussetzung), was meiner Meinung nach gar nicht möglich ist, denn atomare Strahlung ist ein unberechenbarer Faktor in jeder Umgebung ausser unter Laborbedingungen, dann sollte man mal darüber nachdenken, ob Atom-Energie wirklich der richtige Weg ist.


    Trotz all dem finde ich Hysterie und unnötige Panikmache völlig fehl am Platz und mindestens genauso hirnverbrannt, wie zu glauben hier ist alles sicher. Unsere AKWs sind so sicher, weil bisher nichts passiert ist und weil eben noch kein Fall eingetreten ist, für den es keine Lösung gibt, um eine Katastrophe abzuwenden. Ich für meinen Teil bin dafür, sich von einer höchstgefährlichen Technologie, die man nicht zu 100% beherrscht, langsam aber sicher zu verabschieden. Die größten potenziellen Fehlerquellen zuerst abschalten, danach dann Stück für Stück den Rest, wobei man gleichzeitig Sorge tragen sollte, dass adäquater Ersatz gefunden bzw. beforscht wird. Ist es nicht möglich, so muss eben ein Weg gefunden werden, diese Technologie noch sicherer zu machen und eben auch Dimensionen von Katastrophen-Szenarien, die bisher noch nicht bedacht wurden, mit in die Sicherheitskonzepte aufzunehmen.


    Gruß


    J.B.

    "Wenn man sagt "Früher war ALLES besser!", dann stimmt das so nicht...ABER...früher war EINIGES besser und das wäre es auch heute noch, wenn man es nicht verpfuscht hätte!" (J. Malmsheimer)

  • Eine sehr gute Stellungnahme, J.B., der ich uneingeschränkt zustimme. Es gibt einfach zu viele Aspekte, die eine lange Weiternutzung der Kernspaltung äußerst riskant und im Grunde nicht verantwortbar machen. Man muss kein Ökofanatiker sein um die Nutzung von Kernkraftwerken zur Energiegewinnung ablehnen zu dürfen.
    Bei uns mag es zwar keine so heftigen Erdbeben geben, aber die Gefahr durch Hochwasser ist dafür ungleich größer. Man rechnet bei der Errichtung von solchen Strukturen in Flussnähe immer mit 200-jährigen Hochwassern (wie es z.B. im letzten August die Oberlausitz getroffen hat) - aber wie bei allen Naturereignissen ist die Skala nach oben hin offen. Und gerade an Rhein und Main gibt es Berichte über mindestens ein sog. 1000-jähriges Hochwasser, welches jeden Damm wegspülen würde - und somit beispielsweise Biblis direkt betroffen wäre.


    Und egal wie der Wind steht, im Fall der mitteleuropäischen AKWs wären immer zig Millionen Menschen direkt betroffen. Ich wage zu bezweifeln, das irgendeine europäische Regierung die Verantwortung für einen solchen Extremfall zu tragen bereit wäre.


  • Wer Lesen kann ist klar im Vorteil.


    Ich habe folgendes von Dir gelesen und mich mit der von Dir zitierten Aussage auch darauf bezogen:


    Zitat

    ...Wenn die ohne Atomenergie leben wollen, dann bitte sollen sie. Kappt euch vom Stromnetz und lebt wie Ökos, kauft euch Pfanni Frisch und tretet in die Pedalen...


    Was also habe ich überlesen, was meinen Rückschluß für Dich nicht zulässig macht? Selbst Dein Bezug auf die Grüne/Ökos und sonstige ist hinfällig, denn es geht nichtsdestotrotz um jeden der ohne Atomernergie leben möchte, unabhängig davon, ob er es in einem Interview betont, auf ein Plakat schreibt oder in einem Forum postet.


    Alles eine Frage der Formulierung. :)


    Warum mir dieses Eindreschen auf die von Dir angeführte Gruppe in der jetzigen Situation nicht zusagt bzw. mir unverständlich ist, habe ich ja angeführt. :)


    Gruß


    J.B.

    "Wenn man sagt "Früher war ALLES besser!", dann stimmt das so nicht...ABER...früher war EINIGES besser und das wäre es auch heute noch, wenn man es nicht verpfuscht hätte!" (J. Malmsheimer)

  • Stimme J.B. in seiner Ausführung ebenfalls größtenteils zu. Auch kann ich es nicht verstehen, wenn viele die Entscheidung der Regierung kritisieren. Klar, es ist eine Alibi-Aktion, um zu zeigen, dass die Katastrophe in Japan Folgen hat, aber überlegen wir uns mal, wie groß der Aufstand gewesen wäre, wenn Merkel und Co gesagt hätten: "Jungs, wir machen weiter wie gehabt"....
    Dennoch sollte man so früh wie möglich aus der Atompolitik aussteigen. Denn sonst verschiebt man den Ausstieg um 5 Jahre, 5 Jahre später um 10 Jahre usw.