Norwegen & der Drachenwald

  • Rein technisch hat frleon eigentlich recht.
    Es ist nicht Aufgabe der Medien, wilde Spekulationen als Fakten zu verkaufen und diese dann irgendwo klein als ENTE zu vermerken, für den fall, dass irgenwer klagen könnte.
    Das ist schlichtweg Hetze.
    Die Aufgabe der Medien sollte möglichst wertfreie Berichterstattung mit explizit als solche gekennzeichnete Kommentare sein.
    Das ist eine unvorstellbare Utopie ist, ist mir aber klar.

  • Er hat Recht in einer Sache, der ich nie widersprochen habe, ja.


    Mir ging es einfach nur darum, dass dieses Verhalten zutiefst menschlich ist und sich die Islamisten den momentanen Generalverdacht schon selbst anzurechnen haben.


    Um die Medien ging es mir dabei eigentlich garnicht. Und falsch finde ich frleons Aussage auch nur deswegen, weil sie viel zu verallgemeinernt ist ("die Medien").


    Aber lustig, wie dann immer etwas hinzugedichtet wird. Wir sind nur einen Schritt davon entfernt, dass jemand behauptet ich würde Falschmeldungen in Medien rechtfertigen.

  • Die Norweger selbst haben sich ja vorbildlich verhalten: Es gab keine Stellungnahmen in Richtung islamistischer Täter. Und auch, wenn der Verdacht naheliegt, ist es doch keineswegs gerechtfertigt, diese unter Generalverdacht zu stellen.

  • Ist ja auch von vernünftigen Journalisten und Behörden nicht anders zu erwarten.


    Also, dass sie erstmal schweigen, bzw. nur Fakten herausgeben.


    Ansonsten ist es doch völlig normal, dass man bei einem unvorhergesehenen Ereignis die möglichen Ursachen durchdenkt.


    Und hierbei natürlich bei der Sache anfängt, die man am häufigsten in diesem Zusammenhang kennt.


    Der "Generalverdacht" ist als erste Reaktion menschlich und normal, er ist eben nur ein Abgleich mit Erfahrungswerten.
    Dumm wird er nur, wenn man auf ihm beharrt.

  • Die Norweger selbst haben sich ja vorbildlich verhalten: Es gab keine Stellungnahmen in Richtung islamistischer Täter. Und auch, wenn der Verdacht naheliegt, ist es doch keineswegs gerechtfertigt, diese unter Generalverdacht zu stellen.


    Meiner Einschätzung nach wurde vor allem deshalb zuerst ein islamistischer Täter vermutet, weil es mit einem Bombenanschlag losging. Es brauchte dann ja einige Stunden, bis überhaupt Nachrichten von einem Schützen in einem Jugendcamp durchdrungen, und da war auch lange kein direkter Zusammenhang klar.


    Einen Bombenanschlag assoziiert man aber eben mit einem Terroristen und nicht mit einem Amokläufer, und in Europa haben wir (bis auf lokale politische Gruppen) eben in der letzten Zeit nur islamistische Bombenleger gehabt, wenn ich nicht etwas vergessen.


    Natürlich sollte man - und es ist in der Tat vorbildlich von den Norwegern - nicht gleich von einem Islamisten ausgehen, sondern höchstens vermuten (und selbst das nicht unbedingt sofort und öffentlich).

    Zitat

    "Give a man a fire and he's warm for the day. But set fire to him and he's warm for the rest of his life."
    Terry Pratchett

  • Ich finds einfach nur ziemlich traurig, wie sich die Menschen benehmen. Der Sündenbock sieht aus wie man selbst, also ist man üblicherweise auch weniger gewillt, sich klar von solchen Leuten abzugrenzen.

    Kann ich so nicht nachvollziehen, weder in meinem privaten Umfeld, noch in den Medien habe ich so ein Verhalten beobachtet. Wie kommst du darauf? Vielleicht bist du derjenige, der nicht ganz vorurteilsfrei ist?


    Nachdem ich von den Bombenanschlägen in Oslo gehört habe, war mein erster Gedanke auch islamische Terroristen. Aber nach mittlerweile über ein Jahrzehnt mit Anschlägen vom 11. September über Djerba und Bali bis Madrid, bei denen tausende Unschuldige sterben mussten, ist es ein normales Verhalten und wäre morgen ein Bombenanschlag in Wien oder Rom, wäre dies auch wieder mein erster Gedanke.


    Ich stimme IchMachEinenAufPimp zu, man sollte den Anschlägen in Oslo nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken und dem Attentäter und Sympathisanten keine Bühne geben. Was bleibt ist Wut und Trauer.

  • Was bleibt ist Wut und Trauer.


    Bei mir bleibt eher die bestätigte Erkenntnis, dass extremistische Gruppen jeder Art immer nur die anziehen, die entweder historisches Wissen nur sehr partiel (oder garnicht) aufnehmen, oder denen im Leben selbst so übel mitgespielt wurde psychisch, dass sie die Enttäuschung irgendwo hinkanalisieren müssen.


    Leute, also die möglichst einfache Erklärungen brauchen, weil die Komplexität der Welt sie heillos überfordert.


    Einfache Feindbilder, eine kindlich einfach gestrickte Darstellung der Weltgeschichte - all das hilft da ungemein.

  • Zitat

    Leute, also die möglichst einfache Erklärungen brauchen, weil die Komplexität der Welt sie heillos überfordert.


    Hätt ich spaß anner Freude würd ich auch nen Staudamm sprengen.


    Finds immer witzig,dass man plötzlich solchen Menschen so einen Sonderstatus einräumt.Sprich ich find deine Argumente zwar logisch, aber nicht weit genug gedacht.
    Und bei Herrn Breivik sieht es nicht nach Enttäuschung aus,sondern eher danach das er nach seinen Idealen gehandelt hat.Und das ist es wovor die Gesellschaft gerne die Augen verschließt.
    Ich frag mich wieso die meisten immer so naiv sind und in ihrer Prinzessinwelt weiterleben und -denken.


    Zitat

    Leute, also die möglichst einfache Erklärungen brauchen, weil die Komplexität der Welt sie heillos überfordert.


    Das machen CDU und SPD genauso, bzw. die JU und JULIs...im Prinzip jede Organisation, weil leichtgläubige Menschen prinzipiell für alle ein gefundenes Fressen sind.

    Sing to me songs of the darkness


    Farewell to heaven, my friend


    Come to me, bury your sorrow


    Temptation awaits the condemned

  • Über eine Stunde ohne jeden Skrupel Menschen abzuschiessen ist auch mit Idealen nicht zu erklären. Eine Schädigung des Gehirns durch einen Unfall oder Tumor mag die medizinische Erklärung dafür sein, zeigt aber auch, dass die Motive für so eine Tat zweitrangig sind und es jederzeit wieder passieren kann und wird. Man kann nur hoffen, dass die Verwantwortlichen daraus gelernt haben und in Zukunft ein Zugirff, auch unter Einsatz des Lebens, schneller stattfindet.

  • @ Redwing


    Ich schätze mal, dass die Zitate Dir durcheinander geraten sind, oder?


    Falls der obere Teil meines Postings Dein erstes Zitat werden sollte, so solltest Du dem Teil vor dem "oder" evtl. auch Aufmerksamkeit widmen.


    Deine Kritik wäre imho nur berechtigt, wenn da nur der Teil nach dem "oder" stehen würde.


    Ich nehme mal an, dass Du das überlesen hast - wissen kann ich es nicht, da Du ja bereits beim Zitieren durcheinander gekommen bist.






    @ Jadne


    Doch, Ideale erklären das ausreichend. Die meisten Menschen sind von ihrer ganz normalen Veranlagung her durchaus fähig zu töten.


    Die Menge macht dann die Übung. Wobei hier auch "psychische Übung" gemeint ist. Man muss sich die Situation nur oft genug im Vorfeld vorstellen (machen Suizidkandidaten z.B. auch), das senkt die Hemmschwelle.


    Während des Vorganges bist Du dann eh im "Jagdmodus".

  • Jungs, ihr habt selber gesagt, dem Extremisten sollte man keine Bühne geben... und trotzdem diskutiert ihr weiter darüber.
    Und genau das ist, meiner Meinung nach, eines der Probleme am Ganzen: Dadurch, dass die Medien - sei es aus Sensationslust oder ehrlichem Mitgefühl - die Anschläge zu den Top-Themen machen, motivieren sie dadurch potenzielle andere Attentäter.
    Außerdem hab ich mich wieder gehörig aufgeregt, als ihr euch beschwert habt, wie man gleich die Muslime verdächtigen könne...aber Jadne hat ja schon quasi für mich gesprochen ;)
    Norwegen hat in einer Stellungnahme zu mehr Toleranz gegenüber Muslimen aufgefordert... und da hab ich mich auch gefragt, wo wir denn bitte leben. In Europa werden ja fast mehr Kirchen als Moscheen gebaut, nur 1 von 100 Menschen sieht Muslime auf der Straße als niedrig gestellte Menschen an... und da heißt es : Mehr Toleranz ? Hat mal irgendjemand in die muslimischen Länder geschaut, wieviel Rechte da die Christen haben ? Teilweise werden die sogar noch verfolgt, aber dank der Zensur kommt das ja nicht in die Medien - es interessiert also nur die wenigsten von uns. Ich sage nicht, dass man alle Muslime hassen und einsperren sollte, nein, ich bin gegenüber (fast) allen ethisch und religiös anderen Gruppen völlig voreingenommen, aber jemanden über sich zu stellen und ohne jede Kontrolle in sein Land zu lassen, nur weil er an den Islam glaubt, halte ich für falsch.

  • @ Asha


    Also ich habe das nie gesagt @ Bühne. Ich finde das stilisiert ihn dann erst recht. Insofern ist es zumindest bei mir kein Widerspruch, wenn ich hier poste.


    Ansonsten kann ich Deinen Aussagen nicht wirklich folgen, da sie schon mit diesem "Stammtischargument" beginnen, dass die Christen bei denen doch auch weniger Rechte haben usw.


    Ich habe nicht vor mich an islamischen Maßstäben zu orientieren in dieser Hinsicht und einen Vergleich, wo irgendetwas schlimmer ist, den kann man bei jeder Sache immer bringen und damit beliebig alles rechtfertigen.


    Was nicht heißt, dass ich so wahnsinnig liberal wäre. Nur ist das halt keine ordentliche Diskussionsgrundlage.

  • Ich glaub, du hast mich nicht recht verstanden, vllt habe ich mich auch unklar ausgedrückt.

    Zitat

    Ich habe nicht vor mich an islamischen Maßstäben zu orientieren in dieser Hinsicht und einen Vergleich, wo irgendetwas schlimmer ist, den kann man bei jeder Sache immer bringen und damit beliebig alles rechtfertigen.

    Genau darum geht es mir doch. Du sagst "schlimmer". In Deutschland werden die Muslime toleriert wie auch andere Deutsche - zumindest bei allen, die klar im Kopf sind.
    Das Christen in muslimischen Ländern unterdrückt werden, tut man mit dem Wort "Stammtischargument" ab. Und das VIELLEICHT irgendein Moslem in Europa nicht die gleichen Rechte haben sollte wie ein "Einheimischer", kursiert in den Medien und führt zu endlosen Debatten über Integration und Toleranz. Und das ist, auch für die Christen in den islamischen Ländern, ungerecht. Und mich hat es eben gestört, dass sich alle so darüber aufregen, dass die Muslime für Bombenanschläge verdächtigt werden, und dass Norwegen das Fazit aus den Anschlägen gezogen hat, die Muslime mehr zu tolerieren.

  • Das Christen in muslimischen Ländern unterdrückt werden, tut man mit dem Wort "Stammtischargument" ab.


    Es geht nicht darum, dass das nicht wahr wäre, sonder, dass es einfach nichts zur Sache tut. Das ist einfach ein Thema für sich, das uns bei der Integrationsdebatte nicht weiter bringt.


    Ich denke halt, dass Deiner (durchaus nachvollziehbaren) Argumentation gedient wäre, wenn Du solche Punkte nicht anführen würdest.


  • Verstehe ich nicht. Nach diversen internationalen Anschlägen aus dieser Richtung ist es doch ganz normal, dass zumindest der erste Gedanke in diese Richtung wandert.


    Um das mal klar zu stellen, verweise ich auf diesen Artikel. Wichtig ist der Satz:

    Zitat

    Eine Überraschung sollte das nicht sein: von 249 Terroranschlägen in der EU im Jahr 2010 wurden lediglich drei von Islamisten begangen.


    Es sollte klar sein, dass IP völlig Recht hat und auch ich hab mich entsetzlich darüber geärgert, das man gleich die üblichen Verdächtigen genommen hat.

    Zitat von Das Lied von Eis und Feuer: Die Saat des goldenen Löwen, S. 103

    Die Macht ist stark in dir.